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Automobile Abenteuer in Fernost

Wachstumsmarkt mit Risiken

Kein Automobilmarkt ist jemals so stark gewachsen wie der in China; und vor allem deutsche Hersteller erwirtschaften dort mittlerweile einen Großteil ihrer Gewinne. Seit 2008 ist der Fahrzeugabsatz um knapp 300% gestiegen, was so manchen Hersteller vor Glück hat strahlen lassen. Allein diese Tatsache zeigt deutlich, wie wichtig dieser Markt inzwischen für viele Hersteller geworden ist und warum die derzeitige Marktsituation – insbesondere der unerwartete Fall der chinesischen Börsen – mit einer gewissen Sorge betrachtet wird.

Darüber hinaus müssen sich die Marktteilnehmer aktuell weiteren, neuen Herausforderungen stellen: So mussten im letzten Jahr u.a. auf Druck der chinesischen Regierung die Ersatzteilpreise deutlich gesenkt werden, wovon insbesondere deutsche Hersteller betroffen waren; im gleichen Zuge mussten Strafzahlungen in Millionenhöhe für angeblich überhöhte Teilepreise gezahlt werden. Diese Preisproblematik setzt sich auch bei den Fahrzeugen selbst fort: Viele Modelle sind in China deutlich teurer als beispielsweise in den USA. Die Folge: Der Graumarkt wächst stetig an. Sowohl chinesische Händler als auch Kunden verschaffen sich beispielsweise Zugang zum amerikanischen Markt und kaufen Fahrzeuge dort deutlich günstiger ein, als sie in China erworben werden können. Hier sind Preisunterschiede von bis zu 20.000 $ keine Seltenheit.

Händlerprofitabilität sinkt

Dies hat erhebliche Auswirkungen auf den „automobilen Kreislauf“, denn die Vertriebsgesellschaften in China bleiben stellenweise auf ihren Fahrzeugbeständen sitzen – mit dem Endresultat, dass hohe Rabatte auf chinesische Modelle gewährt werden müssen, was die Händlerprofitabilität wiederum deutlich sinken lässt. Dieses Problem wird sich allerdings nicht von heute auf morgen beseitigen lassen, denn bereits vor der offiziellen Produkteinführung in China sind diese Fahrzeuge aus anderen Ländern bei chinesischen Händlern verfügbar. Der immer besser informierte chinesische Kunde – sensibilisiert durch die immer vielfältigere Medienlandschaft – fragt aktiv nach günstigen „Alternativen“ zum chinesischen Modell und wird nach wie vor fündig. Die Hersteller versuchen, dieser Spirale zu entgehen – bis in die Entwicklung hinein beschäftigt man sich mit diesem Thema: Eingriffe in die Technik, wie beispielsweise die Deaktivierung spezieller Navigationsfunktionen, sollen den Preisvorteil importierter Modelle zunichtemachen und den Mehrwert eines „echten“ chinesischen Modells hervorheben. Doch auch dies gelingt bisher nur bedingt: So konnten bereits nach kurzer Zeit Navigationssysteme umprogrammiert werden, die dem Kunden den Kauf eines günstigere Importmodells mit allen Funktionen und Sonderausstattungen ermöglicht habe

Automobile Abenteuer in Fernost

Die Hersteller arbeiten nach wie vor an neuen Systemen, um dem Graumarkt Herr zu werden: Um dem Hauptargument der chinesischen Kunden – der beachtliche Preisunterschied zwischen chinesischen und amerikanischen Modellen – entgegenzutreten, werden neuerdings z.B. günstigere Einstiegsmotorisierungen angeboten. Doch in Kürze wird hier mit keinem richtigen Durchbruch zu rechnen sein, was wiederum finanzielle Negativeffekte nach sich ziehen wird.

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„Zu Lasten der Erträge nähern sich die chinesischen Listenpreise den ausländischen Modellen immer mehr an.“

Weiterhin enorme Absatzpotenziale

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Abhängigkeit von China riskant ist – jedoch gekoppelt an die Tatsache, dass nach wie vor enorme Absatzpotenziale in den nächsten Jahren erschlossen werden können. So besitzen – trotz der rasanten Entwicklung der letzten Jahre – lediglich nur 5% der Chinesen ein eigenes Auto. Darüber hinaus liegt insbesondere im Westen Chinas die Herausforderung darin, den Bedürfnissen der alles andere als wohlhabenden Landbevölkerung gerecht zu werden und ein entsprechendes Fahrzeugportfolio anzubieten. Vor dem Hintergrund werden wir uns in der nächsten Ausgabe der Automotive Inside stärker mit dem Verhalten des chinesischen Kunden auseinandersetzen.